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Ich möchte im folgenden Text mal versuchen mit der Brille des Ingenieurs zu erklären, was eigentlich unter »Risiko« verstanden wird.

An vielen Stellen hört man, gerade während der aktuellen Pandemie, den Begriff des "Risiko", sei es bei der Diskussion über Impfschäden oder das Risiko einer Erkrankung. Leider wird der Begriff oft falsch verwendet, wodurch wichtige Einflussparameter verloren gehen.

Die allgemeine Definition betrachtet Risiko als das Zusammenspiel von Schadenshäufigkeit und Schadensausmaß. Im Folgenden wollen wir uns dieses näher ansehen.

Man muss also nur die möglichen Schäden mit ihren Ausmaßen und Eintrittswahrscheinlichkeiten kennen und schon kann man das Risiko bestimmen. Selbstverständlich ist dieses nicht so einfach.

Betrachten wir zunächst das Schadensausmaß. Dabei spielt die Art eines Schadens eine erhebliche Rolle. Das Schadensausmaß kann grundsätzlich von Sachschäden über leichte und schwere Verletzungen bis hin zum Tod reichen. Nun mag man grundsätzlich fordern, dass Tote unbedingt zu verhindern seien und auch die anderen Schäden auf das technisch mögliche Minimum zu minimieren seien. Dieses ist leider nicht praktikabel. Wir werden also in die moralisch schwierige Situation kommen, den Tod von Menschen mit anderen Schäden aufzurechnen und mit Kosten für die zu ergreifenden Maßnahmen zu vergleichen. Wir müssen körperliche Schäden monetarisieren. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass insbesondere für getötete Personen dementsprechend hohe Werte angesetzt werden, welche zur Vermeidung dieser Schäden drängen.

Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Schäden zu bestimmen, ist oft mit hohem Aufwand verbunden. Da wir in vielen technischen Bereichen eine sehr niedrige Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Schadens haben, welche im Bereich von SIL (Sicherheitsintegritätslevel) 4 liegt, also ein Fehler seltener als alle 100 Mio. Betriebsstunden (etwa 11.400 Jahre), kommen Auswertungen bisheriger Erfahrungswerte schnell an ihre Grenzen. Mit der systematischen Ermittlung dieser Wahrscheinlichkeiten verdienen ganze Ingenieurbüros gutes Geld.

Wenn man also das Risiko minimieren will, gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten. Einerseits kann man versuchen die Wahrscheinlichkeit eines Schadens zu minimieren und somit die aktive Sicherheit verbessern. Andererseits kann man versuchen, dass Schadensausmaß bei einem Ereignis zu minimieren und somit die passive Sicherheit verbessern.

In vielen Fällen genügt die Kenntnis lediglich eines Risikos nicht. Bei vielen Entscheidungsfragen müssen verschiedene Risiken verglichen werden. Dieses erfolgt anhand verschiedener Kriterien, welche auch eine starke kulturelle Prägung aufweisen. Daraus resultiert eine national unterschiedliche Sicherheitsphilosophie.

Nun mag man fragen, ob die Minimierung des Risikos als alleiniges Ziel setzen sollte. Leider ist dieses oft nicht sinnvoll. So akzeptieren wir im Leben durchaus auch erhöhte Risiken, beispielsweise beim Überqueren einer roten Ampel, wenn dieses angenehmer erscheint. Auch führt jedes arbeitende System zu einer Risikoerhöhung, welche in Kauf genommen werden muss, da diese Systeme sonst keinen Nutzen entfaltet. Oder wie die Eisenbahner sagen: »Der einzig sichere Zustand ist der absolute Stillstand.« Das ist jedoch keinesfalls als Ziel geeignet.

(03.01.2021)

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