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Nach der aktuellen (sehr sehenswerten) "Anstalt" möchte ich mich hier etwas mit der "Vision Zero" als Leitbild einer zukunftsweisenden Verkehrspolitik beschäftigen.

Die "Vision Zero" beschreibt das Ziel, dass es im Straßenverkehr 0 Tote und 0 Schwerverletzte geben soll. Es strebt also eine erhebliche Reduktion der Verkehrstoten und damit einhergehend eine erhebliche Erhöhung der Sicherheit an. So gab es im Jahr 2015 in Deutschland 3.459 Verkehrstote im deutschen Straßenverkehr. Das entspricht 9,48 Verkehrstoten am Tag, bzw. 42 Toten pro Million Einwohnern. In Schweden gab es im gleichen Jahr 259 Verkehrstote. Das entspricht 0,71 Verkehrstoten am Tag bzw. 26 Toten pro Million Einwohnern. Man sieht also, dass Schweden deutlich weniger Verkehrstote hat als Deutschland. Woran liegt das?

Die schwedische Verkehrspolitik orientiert sich seit vielen Jahren bereits an der "Vision Zero". Straßen werden primär auf die Bedürfnisse der Sicherheit und weniger auf Anforderungen der Geschwindigkeit oder Bequemlichkeit optimiert. Es besteht ein strenges Alkoholverbot und auf allen schwedischen Straßen besteht ein Tempolimit (50 km/h innerorts, 70 km/h außerorts und 110 km/h auf Autobahnen). Die Einhaltung der Vorgaben wird streng kontrolliert und bei Verstoß drohen saftige Bußgelder. Wer innerorts zu schnell fährt zahlt bereits bei einer Überschreitung von 1 km/h ein Bußgeld von 2000 SEK (umgerechnet etwa 200€). Das Telefonieren am Steuer kostet bis zu 4000 SEK (umgerechnet etwa 400€). Diese Bußgelder schrecken erheblich ab, sodass die Schweden tendenziell langsamer und regelkonformer unterwegs sind.

Die "Vision Zero" geht nicht davon aus, dass sich der Mensch fehlerfrei verhält. Menschen machen Fehler und ein System, welches damit nicht umgehen kann, ist nicht sicher. Im Gegensatz: Man versucht das System so zu konzipieren, dass es menschliche Fehler aushält. Man folgt dabei dem Prinzip:
In every situation a person might fail. The road System should not.
Die Sicherheit der Verkehrs wird also dadurch gewährleistet, dass das System Fehler toleriert. So können zum Beispiel Tempolimits und der Bau leichterer Fahrzeuge helfen, Tote zu verhindern. Die Energie eines sich bewegenden Körpers hängt von der Masse und dem Quadrat seiner Geschwindigkeit ab. Eine Halbierung der Masse würde die freiwerdene Energie halbieren. Eine Halbierung der Geschwindigkeit würde die freiwerdene Energie um 75% reduzieren.

Eine Kollision mit einem 30 km/h schnellen Fahrzeug überlebt man in der Regel, während man eine Kollision mit einem 50 km/h schnellen Fahrzeug häufig schwere bis tödliche Verletzungen davonträgt. Wir brauchen innerorts ein Tempolimit von 30 km/h, außerorts von 70 km/h und auf Autobahnen von 120 km/h. Um dieses Durchzusetzen bedarf es deutlich empfindlicherer Strafen und schärferer Kontrollen. Bußgelder funktionieren nur dann, wenn sie wehtun. Daher sollten bei stärkeren Verstößen insbesondere Tagessätze herangezogen werden. Fahrzeuge sollten leichter werden und die Innenstädte zur "autofreien Zone" erklärt werden. In der Stadt ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln eh besser unterwegs.

(08.03.2017)

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