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Heute wurde der Zwischenbericht zum Zugunglück von Bad Aibling veröffentlicht. Das Unglück forderte 11 Tote, 27 Schwerverletzte und 63 Leichtverletzte. Der Fahrdienstleiter ist mittlerweile auch schon verurteilt.

Dabei wurden folgende Feststellungen getroffen:

  • Der Zustand der Gleisinfrastruktur war ausreichend und hat den Unfall nicht begünstigt.
  • Die punktförmige Zugbeeinflussung funktionierte bis auf einen gestörten 1000Hz-Magneten, dieser Mangel steht jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Unfall.
  • Das Stellwerk entspricht den technischen Regeln zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme und funktioniert einwandfrei.
  • Das Ersatzsignal Zs1 wurde zweimal für den Zug Richtung Rosenheim bedient (einmal am Ausfahrsignal des Bf Bad Aibling und am Blocksignal kurz vor der Unfallstelle). Beide Bedienungen erfolgten, da die reguläre Fahrtstellung des Signals aufgrund des Gegenzuges nicht möglich war.
  • Entgegen der Angaben der La bestand auf der Strecke kein Funkloch, da ein Füllsender in Kolbermoor nachträglich installiert worden war.
  • Das Zugfunkgerät des Fahrdienstleiters verfügt über zwei Möglichkeiten für einen Notruf, einmal der "Notruf Strecke" und einmal der "Zugfunknotruf". Durch die Wahl des (falschen) "Notruf Strecke" hatte der Fahrdienstleiter die Züge nicht erreicht. Der Notruf wurde 35 Sekunden vor der Kollision abgegeben und hätte diese womöglich verhindern können.
  • Der Fahrdienstleiter war tauglich und örtlich eingewiesen und geprüft. Es zeigten sich jedoch Mängel bei der Umsetzung der betrieblichen Regelwerke.
  • Entgegen der bahnbetrieblichen Vorschriften hat der Fahrdienstleiter ein privates Smartphone im Dienst genutzt.
  • Die Triebfahrzeugführer waren tauglich und entsprechend qualifiziert. Es bestehen keine Anhaltspunkte, dass ihr Verhalten das Unglück verursacht oder begünstigt haben könnte.
  • Die Fahrzeugstruktur weist eine hohe Festigkeit auf, sodass lediglich die beiden vorderen Segmente stark beschädigt wurden. Die Fahrzeugtüren ließen sich ab der zweiten Wageneinheit öffnen.
  • Bei beiden Zügen wurde etwa eine Sekunde vor der Kollision eine Schnellbremsung eingeleitet.
  • Insgesamt sieht es so aus, dass das Unglück durch die Unaufmerksamkeit des Fahrdienstleiters und die damit zusammenhängenden Fehlbedienungen von Ersatzsignal und Zugfunk ausgelöst wurde.

    (07.03.2017)

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